kritMed Vernetzungstreffen 2023

Gesundheit ist politisch! Solidarische Gesundheitsversorgung in gemeinwohlorientierten Stadtteilgesundheitszentren am Beispiel SoliMed Köln e.V.
2023-08-05, 12:00–13:30 (Europe/Berlin), Raum A1-3

Ob Menschen gesund oder krank sind, hängt nicht nur von ihrem individuellen Verhalten und ihren körperlichen Voraussetzungen ab, sondern auch von den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen sie leben. Soziodemographische und sozioökonomische Daten zeigen: Wer arm ist, ist häufiger krank und lebt kürzer.
Als Teil des deutschlandweiten Netzwerkes Poliklinik-Syndikat entwickelt die Gruppe SoliMed Köln e.V. konkrete Alternativen zur jetzigen Gesundheitsversorgung. Wir freuen uns über Euer Interesse und Eure Fragen!


Ob Menschen gesund oder krank sind, hängt nicht nur von ihrem individuellen Verhalten und ihren körperlichen Voraussetzungen ab, sondern auch von den gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen sie leben. Sozio-demographische und sozio-ökonomische Daten zeigen: Wer arm ist, ist häufiger krank und lebt kürzer. Dabei sind Ungleichheiten in Bezug auf Einkommen, Wohnverhältnisse, Umwelteinflüsse, Arbeitsbedingungen und Bildung sowie Rassismus und verschiedene Formen von Diskriminierung soziale Determinanten von Gesundheit. Diese Determinanten stehen beispielhaft dafür, dass Armut und Krankheit kein individuelles Versagen sondern ein strukturelles, gesamtgesellschaftliches Problem sind. Ein Ort, der zu Gesundheit arbeitet, muss diese sozialen Determinanten einbeziehen und verändern wollen. Hierzu sind neue gesundheitsfördernde Strukturen notwendig.
Als Teil des deutschlandweiten Netzwerkes Poliklinik-Syndikat entwickelt die Gruppe SoliMed Köln e.V. konkrete Alternativen zur jetzigen Gesundheitsversorgung. Gesundheit wird dabei als politische Querschnittsaufgabe verstanden. Ziel ist der Aufbau und Betrieb eines stadteilorientierten Gesundheitszentrums. In einem solchen Zentrum arbeiten Angehörige unterschiedlicher Berufsgruppen aus den Bereichen Sozialarbeit, Pflege, Recht, Medizin, Gesundheitswissenschaften, Psychologie u.a. kollektiv, interdisziplinär, partizipativ und hierarchiearm zusammen mit den Menschen im Stadtteil bedarfsorientiert und niederschwellig. Das konkrete Angebot des Gesundheitszentrums entsteht im Austausch u.a. mit Menschen aus dem Stadtteil, politischen Gruppen sowie Strukturen des öffentlichen Lebens. Das Projekt, das sich derzeit im Aufbau befindet, versteht sich als eine Form gelebter Solidarität, als gesellschaftspolitische Intervention und als Beitrag zu einer gerechten und solidarischen Gesellschaft. Dabei soll über das Projekt hinaus ein gesellschaftlicher Prozess angestoßen werden, der die Überwindung krankmachender Verhältnisse zum Ziel hat.

In unserem Vortrag erläutern wir zunächst das Konzept der Sozialen Determinanten von Gesundheit und konkretisieren diese am Beispiel der Stadt Köln. Im zweiten Teil des Vortrags stellen wir die Arbeitsprinzipien stadtteilorientierter Gesundheits- und Sozialzentren in Deutschland vor und erzählen - im Sinne eines work-in-progress-Berichts - von den Erfolgen und Hürden beim Aufbau eines solchen Zentrums in Köln.

Wir freuen uns über Euer Interesse und Eure Fragen!