Gewichtsdiskriminierung zwischen Healthismus und Medikalisierung
Vorurteile gegenüber Menschen mit hohem Körpergewicht finden sich in allen gesellschaftlichen Bereichen. Besonders häufig beklagen Betroffene Diskriminierung in medizinischen Einrichtungen sowie in Settings, die eigentlich die Gesundheit fördern sollen. Die Ursachen für Gewichtsdiskriminierung lassen sich idealtypisch zwei Denkschulen zuordnen: Medikalisierung und Healthismus. Medikalisierung steht dabei für die Neuinterpretation von alltäglichen Phänomenen, sozialen Problemen und menschlichen Zuständen, die bislang nicht medizinisch betrachtet wurden, zu Krankheiten und Störungen, die mit medizinisch-psychologischen Methoden behandelt werden. Healthismus steht für die moralische Verantwortung für Gesundheit und die individuelle Schuld für Krankheit. Medikalisierung und Healthismus haben Auswirkungen auf die gesellschaftliche Wahrnehmung von erhöhtem Körpergewicht und damit auf Gewichtsdiskriminierung. Medikalisierung pathologisiert ein erhöhtes Körpergewicht und plädiert für medizinische Interventionen. Healthismus verurteilt hohes Körpergewicht moralisch und fordert Verhaltensänderungen. Der Vortrag behandelt die Folgen beider Ansätze für die Betroffenen und diskutiert Alternativen.